Auftakt zum Jubiläumsjahr 625 Jahre Stadterhebung und 1000 Jahre stift Osterhofen
Sengend strahlte am Samstag die Augustsonne vom Himmel als sich in Osterhofen der Trachten- und Schützenzug, angeführt vom Spielmannszug, von der Markus-Stöger-Halle über die Bahnhofstraße, die Vorstadt und die Altstadt zu einem der schönsten Stadtplätze Niederbayerns bewegte. Vor dem Rathaus warteten die Antonibläser, um unter der Leitung von Herbert Strobl mit der Feier zum Abschluss der Neugestaltung des Stadtplatzes zugleich die Auftaktveranstaltung für das Jubiläumsjahr 2003 und 2004 musikalisch zu begleiten.
Gleich nach der Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste übergab Bürgermeister Horst Eckl das Wort an den Ehrenbürger und Stadtarchivar Hans Schön, der zu einem kurzen Besuch des mittelalterlichen Stadtplatzes einlud. Der Stadtplatz habe viel erlebt in den Jahrhunderten seit 1378. Drüben im Hällmayer-Anwesen sei einst der Poststall der Taxischen Post eingerichtet gewesen. Reitende Boten hätten auf der Strecke Brüssel-Wien die Fälleisen (Satteltaschen) übernommen und zu den nächsten Poststellen nach Plattling oder Vilshofen gebracht.
Hans Schön ließ die wöchentlichen Schrannentage, die Markttage der damaligen Zeit, lebendig werden und vergaß auch die sieben Jahrmärkte nicht. Die Bauern, die das Vieh zu Hunderten auftrieben, hätten damals den Wirten, Handelsleuten und Handwerkern Umsatz gebracht, denn der Bedarf an Waren sei riesengroß und nur in der Stadt zu decken gewesen. Der Chronist erzählte von den bis zu 13 Bräugasthäusern, die es damals am Stadtplatz gegeben habe und von dem Treiben der Handwerker und Kaufleute in der Stadt. Dabei setzte er bestehende Gebäude augenfällig in Beziehung zum historischen Geschehen.
In der Aufmachung eines Herolds verlas der Kulturreferent Ludwig Einhell vom Balkon des Heimatmuseums aus, nachdem ihn Fanfarenbläser des Spielmannszuges angekündigt hatten, zwei wichtige Urkunden: Den Kaufbrief des Stadtgründers Johann von Leuchtenberg der das Datum vom 26. Februar 1378 trägt und den Kaufbrief der Puchberger, die Osterhofen an Herzog Heinrich den Reichen von Bayern in Landshut am 8. Januar 1427 verkauften.
In seiner Festansprache erklärte Bürgermeister Horst Eckl, die Stadt Osterhofen habe seit dem Jahre 1985 Maßnahmen im Rahmen der Städtebauförderung durchgeführt. Man habe sich, im Gegensatz zu anderen Städten, Stück für Stück mit den Baumaßnahmen an das Stadtzentrum heran gearbeitet und dabei den Vorteil gehabt, positive wie negative Erfahrungen abgeschlossener Projekte für die Neugestaltung des Stadtzentrums nutzen zu können. Sein chronologischer Abriss begann mit der Installation des Arbeitskreises Stadtplatz 1997 und führte über den Baubeginn am 29. April 2002 bis zur Fertigstellung vor wenigen Wochen. Mit der Neugestaltung des Stadtplatzes habe man städtebauliche Missstände und Mängel beheben können.
Bessere Lebensqualität
Die Lebens- und Aufenthaltsqualität habe man durch Schaffung
großzügiger verkehrsfreier Plätze verbessern können.
Die Absenkung der Mittelachse habe zu einer optischen Aufweitung
des Platzes geführt und lasse die rahmenden Fassaden viel
besser zur Geltung kommen. Durch Verbreiterung der Gehwege,
Erneuerung der Beleuchtung und die neue Gründordnung runde
man das Gesamtbild des Stadtplatzes ab, wobei die Gehbereiche
stufenlos und damit behindertengerecht ausgelegt seien. Durch die
Beseitigung der teilweise vorhandenen chaotischen
Verkehrszustände, durch die jetzige Verkehrsführung, die
bessere übersichtlichkeit, insbesondere durch die Zweiteilung
der B 8 durch den gepflasterten Mittelstreifen als Querungshilfe
und die Verminderung der Ausfahrten auf die B 8, sei die
Verkehrssicherheit ungemein erhöht worden.
Der Wegfall von ungefähr 30 Prozent der Parkplätze sei
durch nahegelegenen Ersatz ausgeglichen worden. Allerdings sollten
nicht länger Dauerparker, die den Kunden zugedachten
Parkplätze belegen. Mit dem 90 Jahre alten und nun erneuerten
Luitpoldbrunnen habe man das ersehnte Gegenstück zu dem
modernen Kunstwerk. Beide stünden symbolisch für das
historische und das moderne Osterhofen. Mit einem Augenzwinkern
verwies der Bürgermeister darauf, dass man ausschließlich
Granit aus dem Bayerischen Wald verwendet und auf Granit aus China,
im Unterschied zu anderen Städten, von vornherein verzichtet
habe.
Zum Schluss stellte Bürgermeister Eckl dankbar fest, dass Bund und Freistaat die Stadtplatzerneuerung mit rund 1,2 Millionen Euro, also rund 60 Prozent der zuschussfähigen Kosten gefördert hätten. Er dankte der Regierung von Niederbayern für deren begleitende Unterstützung, insbesondere dem Baureferat, wobei die Bauoberrätin Doris Reuschl später mit der silbernen Gedenkmedaille Osterhofens ausgezeichnet wurde. Sein Dank ging an alle beteiligten ämter und Behörden, an den Gewerbeverein mit Siegfried Liebl und Hans Peter, an das Planungsbüro Bichler und Graf und das Ingenieurbüro Manfred Zapf, deren Bauleiter Peter Obergrußberger ebenfalls die silberne Gedenkmedaille erhielt.
Nicht vergessen wurden, neben dem Bauleiter, die ausführenden Baufirmen, denen die Einhaltung der Kostengrenze von rund 2,8 Millionen Euro zu verdanken sei. Bürgermeister Eckls Dank ging an die Geschäftsleute und Bürger für deren Geduld und Verständnis für die Baumaßnahme und nicht zuletzt an seine rechte Hand, den Oberamtsrat Heribert Englmann, der den größten Teil an Verwaltungsarbeit zu leisten hatte. Mit der Schlussfeststellung Osterhofen kann stolz sein auf einen der schönsten Stadtplätze in Niederbayern, schloss der Bürgermeister seine Festansprache.
Kirchliche Segnung
Dekan Erwin Böhmisch und der evangelische Pfarrer Johann
Albrecht Klüter sprachen geistliche Worte und segneten den
Stadtplatz. Die Regierungsvizepräsidentin Monika Weinl
gratulierte dem Bürgermeister Horst Eckl, dem Stadtrat und
allen Bürgerinnen und Bürgern herzlich zu der sehr
gelungen Lösung. Die vom Bund und vom Freistaat geförderte
Neugestaltung des Stadtplatzes gelte nicht der reinen
Verschönerung, sondern auch der Verbesserung der
Lebensqualität und damit der nachhaltigen Strukturverbesserung,
wie auch die seit Jahren laufenden Baumaßnahmen der Stadt, die
bisher schon mit 4,3 Millionen Euro gefördert worden seien.
Die Regierungsvizepräsidentin brachte die weitere gute
Nachricht mit, dass für die Errichtung des neuen
Feuerwehrgerätehauses eine staatliche Zuwendung von 820 000
Euro in Aussicht gestellt sei, was einem Zuschuss von 35 Prozent
entspreche. Hinzu werde noch die Bezuschussung des neuen
BRK-Gebäudes im Rettungszentrum kommen. Sie schloss mit den
Worten: Der schöne Stadtplatz, der hohe Freizeitwert, die
vielen Vereine, die es hier gibt, zeigen: Man kann sich hier
wohlfühlen.
Bild für den Bürgermeister
Die Architekten Gerhard Bichler und Uwe Graf übergaben dem
Bürgermeister eine gezeichnete Ansicht des neu gestalteten
Stadtplatzes und die Bürgermeisterin der irischen Partnerstadt,
Bride Rudledge, die mit Martin McAviney und dem in Osterhofen bestens
bekannten Phil Smith gekommen war, überbrachte die Grüße
ihrer Stadt und überreichte dem Bürgermeister ein
Wappenbild mit der irischen Harfe.
Nach einem weiteren Musikstück der Antonibläser wechselte man auf die andere Stadtplatzseite zur Eröffnung des Bürgerfestes.
Ehrengäste bei der Stadtplatzeinweihung
Folgende Ehrengäste wohnten dem Festakt bei: MdB Barthl Kalb,
MdB Bruni Irber, MdL Bernd Sibler, MdL Gudrun Peters,
Regierungsvizepräsidentin Monika Weinl, Baudirektor Lindner,
Bauoberrätin Reuschl, Baudirektor a. D. Rhöse,
stellvertretender Landrat Peter Erl, Altlandrat Dr. Georg Karl,
Mater Oberin Alruna vom Damenstift Altenmarkt, Dekan Erwin
Böhmisch, Pfarrer Johann Albrecht Klüter,
Ehrenbürger Hans Schön, Chronist und Vorsitzender des
Bürgerfestkomitees Heinz Hager, aus der irischen Partnerstadt
Bride Rutledge, Martin McAviney, Phillip Smith, aus der
tschechischen Partnerstadt Straz Bürgermeister Hlousek und
Pfarrer Born, Mitglieder des amtierenden und ehemaligen Stadtrates,
Bürgermeister der Nachbargemeinden, Vertreter des Landratsamtes,
der Polizei, der Banken und des Gewerbevereins, Vertreter der
örtlichen Schulen, Baufirmen und Planer, Schützen- und
Trachtenvereine, Bürgerinnen und Bürger der Stadt.