Vortrag: Von der Aufhebung des Prämonstratenserstifts bis zur Gründung des Maria-Ward-Instituts
Osterhofen (man). Osterhofen von der Aufhebung des Prämonstratenserstifts im Jahre 1783 bis zur Errichtung des Maria-Ward-Instituts 1858: Mit diesem Zeitraum hat sich Dr. Herbert Wurster, Leiter des Diöze-sanarchivs Passau, in seinem Vortrag am Dienstagabend im Festsaal des Klosters Damenstift beschäftigt. Das Referat fand im Rahmen der Vortragsreihe zum 1000. Gründungsjubiläum des Stifts und zum 625-jährigen Bestehen der Stadt Osterhofen statt. Herbert Wurster zeigte anschaulich auf, dass bei der Auflösung des Stifts Osterhofen 1783, zwanzig Jahre vor dem eigentlichen Höhepunkt der Säkularisation in Bayern, nicht alles mit rechten Dingen zugegangen war. Das durch seinen Kirchenbau bereits verschuldete Stift wurde auch im österreichischen Erbfolgekrieg finanziell überdurchschnittlich belastet.
Da es seine Schulden in den folgenden Jahren nicht abbauen konnte, wurde es 1765 unter die neu eingeführte gesetzliche Zwangsadministration gestellt. Damit verloren Abt und Konvent die Kontrolle über die Einnahmen. Zu einem öffentlichen Skandal kam es schließlich am 18. März 1783 durch den Selbstmord eines Vilshofener Handelsmannes, der wegen der verweigerten Rückzahlung seines Kredits an das Stift verzweifelt war.
Dieses Ereignis löste jedoch den Auftrag an den Münchner Beamten Baron von Percha aus, die Osterhofener Finanzen zu kontrollieren. Obwohl es dem Stift in den vergangenen Jahren gelungene war, seine Verbindlichkeiten um etwa ein Drittel zu reduzieren, kam der Beamte zu einem verheerenden Urteil über das Konvent. Die Mönche besäßen weder Disziplin noch Gottesglauben und das Stift sei hoffnungslos überschuldet.
Wurster merkte in diesem Zusammenhang an, dass Percha die Arbeitsleistung der Mönche nicht in seine Berechnungen miteinbezogen hatte, obwohl nachweislich etwa 40 Prozent des Einkommens der Klöster aus den geistlichen Verrichtungen der Konventualen bestanden hatten. Allein bei einer Berücksichtigung dieses Postens wäre Osterhofen schon nicht mehr als überschuldet zu charakterisieren gewesen.
Auch die Kritik des Barons an den Mönchen widerlegte Wurster eindrucksvoll und detailliert: "Baron Percha ist ein fragwürdiger, voreingenommener Zeuge, der wohl vor allem dafür sorgen wollte, dass die Kurfürstenwitwe Maria Anna Osterhofen erhielt, um nach Abtragung der Schulden damit das Damestift St. Anna in München fundieren zu können", so der Diözesanarchivar.
So wurde denn auch noch Ende 1783 das Prämonstratenserstift Osterhofen aufgehoben und seine Güter wurden dem Damenstift zugeschlagen. Welche negativen Auswirkungen dieser Vorgang auf die Stadt Osterhofen hatte, zeigt die demografische Entwicklung der folgenden Jahre. Zählte Osterhofen 1787 noch 1620 Einwohner, so waren es 1809 nur noch 1344. Erst ab 1815 setzte wieder ein gemächliches Bevölkerungswachstum ein.
Mit der Epoche der Säkularisation einher ging aber auch das Ende der alten Stadtverfassung. Das Recht der Städte auf Selbstverwaltung wurde ignoriert und die Stadtverwaltung galt nur mehr als unterste, befehlsausführende Stufe der allgemeinen Staatsverwaltung. Das Landgericht wurde nun die entscheidende Instanz. Die Auflösung des Landgerichts Osterhofen am 27. August 1803 bedeutete damit für die Herzogstadt den Verlust eines bedeutenden Amts, das jahrhundertelang dafür gesorgt hatte, dass die Stadt der Mittelpunkt eines staatlichen Bezirks war. 1818 wurde dann auch die Gerichtsbarkeit des Damenstifts, das so genannte Patrimonialgericht, eingezogen und 1828 schließlich auch noch das Finanzamt nach Vilshofen verlegt. "Osterhofen hatte damit seine jahrhundertealte Stellung in der bayerischen Landesorganisation und -verwaltung verloren und war nur mehr ein Landstädtchen", bilanzierte Herbert Wurster.
Stadt finanzierte neues Amtsgebäude Angesichts dieses Zentralitätsverlusts ist es nicht verwunderlich, dass es der Stadt Osterhofen viel Geld wert war, wieder in einen höheren Rang einzurücken. Als daher bei der Reorganisation der bayerischen Landesverwaltung im Jahr 1838 u. a. das Landgericht Osterhofen wiedererrichtet wurde, finanzierte die Stadt den Neubau des Amtsgebäudes.
Doch zurück zum Stift: 1833 erwarb der Staat den vormaligen Klosterbesitz Damenstift. Die Klostergebäulichkeiten wurden gleich verkauft und kamen an den Grafen Kaspar von Preysing. Doch auch dieser konnte die Klostergebäude offensichtlich nicht mit echtem Leben füllen. So fasste der Landrat von Niederbayern 1853 den Plan, daraus eine Kreisirrenanstalt zu machen, was wegen der örtlichen Gegebenheiten jedoch nicht realisiert wurde.
Daraufhin wurde vergeblich nach neuen Interessenten gesucht, bis im Jahre 1858 die Englischen Fräulein von Altötting mit dem ehrgeizeigen Vorhaben auftraten, Osterhofen wieder mit klösterlichem Leben zu füllen und eine höhere Töchterschule einzurichten. "In der Folge leisteten die Englischen Fräulein mit ihrem Institut einen wesentlichen Beitrag für das weitere Gedeihen der Stadt Osterhofen, zugleich hatten sie damit herausragenden Anteil an der Verbesserung des Loses der Mädchen und Frauen und damit letztlich aller Menschen im ostbayerischen Raum", schloss der Referent seine Ausführungen.
Bürgermeister Horst Eckl bedankte sich bei Herbert Wurster für dessen ausführlichen und interessanten Vortrag mit der Überreichung einer Jubiläumsmedaille. Unter den zahlreichen Zuhörern, die Horst Eckl und Stadtrat Christian Kuchler zum Vortrag begrüßen konnten, befanden sich unter anderem Schwester Nikodema, stellvertretender Bürgermeister Georg Lex und 3. Bürgermeisterin Liane Sedlmeier. Ein Barockensemble aus dem Landkreis Deggendorf unter der Leitung von Bernhard Greiler-Kapfinger gestaltete den Vortragsabend musikalisch.
OZ 11.03.2004
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